tonwort ist die neue Veranstaltungsreihe des AMAR QUARTETTS zur Beziehung von Literatur und Musik. Jedes Jahr gestaltet ein anderer bekannter Schriftsteller zusammen mit den Musikern zwei sich ergänzende Abende, welche sein eigenes Schaffen oder dasjenige anderer ausgewählter Autoren in Bezug zur klassischen Kammermusikliteratur setzen.

Den Auftakt macht in diesem Jahr der renommierte Philosophie-Professor Peter Bieri, vielen wohl bekannter unter seinem Autoren-Pseudonym Pascal Mercier. Seine Romane Perlmanns Schweigen, Der Klavierstimmer, Nachtzug nach Lissabon und Lea erreichten Millionenauflagen und wurden in viele Sprachen übersetzt.

ZÜRICH, Papiersaal
(Sihlcity-Areal, Kalanderplatz 1)
Tram/Bus Nr. 5/13/33 bis Sihlcity Nord, S-Bahn S4 bis Saalsporthalle, Parkhaus Sihlcity
SA 16. Januar 2010, 20 Uhr (Abend 1)
SO 17. Januar 2010, 17 Uhr (Abend 2)

BASEL, Gare du Nord
(im Badischen Bahnhof, Schwarzwaldallee 200)
Tram/Bus Nr. 2/6/30/36
DO 11. Februar 2010, 20 Uhr (Abend 1)
FR 12. Februar 2010, 20 Uhr (Abend 2)

Am jeweils ersten Abend stehen auf literarischer Seite Samuel Becketts Texte um Nichts im Zentrum, am zweiten Abend Franz Kafkas Der Prozeß sowie Max Frischs Der Mensch erscheint im Holozän. Die von Peter Bieri gelesenen Textausschnitte werden ergänzt durch seine Gedanken und natürlich sorgfältig ausgewählte Höhepunkte des Streichquartett-Repertoires. Ein emotionales wie intellektuelles Erlebnis ist garantiert.




Zur Idee für die diesjährigen Veranstaltungen mit Pascal Mercier/Peter Bieri:

Die Veranstaltungen sind der Frage gewidmet, welche Beziehungen sich zwischen literarischen Texten und Musikstücken entdecken lassen. Der Ausgangspunkt ist die Beobachtung, daß literarische Texte eine musikalische Dimension haben. Literatur ist die kunstvolle sprachliche Vergegenwärtigung von Erfahrung. Zu dieser Vergegenwärtigung gehören neben den Figuren, dem Plot und dem kompositorischen Aufbau Entscheidungen über Rhythmus und Stil der Sätze, über die Melodie und die klangliche Atmosphäre des Textes. Diese formalen Eigenschaften sind nichts dem Text Äußerliches. Nach der klassischen Definition eines poetischen Textes wird ein Teil seines Inhalts durch die Form vermittelt, und das gilt für Prosa ebenso wie für Lyrik. Und diese Form nun kann man in Beziehung zu musikalischen Formen im strikten Sinne des Wortes setzen.

Die Identität literarischer Texte wird auf der einen Seite durch ihr Thema, auf der anderen durch ihren Stil bestimmt. Entsprechend galt es im Rahmen unseres Vorhabens, für ihren Inhalt wie für ihre Form musikalische Entsprechungen zu finden und dabei aufzugreifen, was der Autor selbst dazu dachte. Wir haben uns gefragt: Was kann es heißen, daß sich Texte und Musik „entsprechen“? Welche Elemente von Texten kann man zu welchen Elementen von Musikstücken in Beziehung setzen? Wie kann man die Entsprechungen auf den Begriff bringen, und wie kann man lernen, sie zu erkennen?

Es geht uns nicht darum, den Zuhörern eine Theorie über diese Entsprechungen vorzusetzen, nicht einmal Thesen darüber, daß die getroffene Auswahl zwingend ist. Vielmehr sollen die Veranstaltungen Fragen aufwerfen und die Wahrnehmung schärfen. Die Besucher sollen mit dem Bewußtsein hinausgehen: Das also kann man alles überlegen!

Literatur:
Nikolaus Harnoncourt, Musik als Klangrede, Bärenreiter 2001.
Albrecht Wellmer, Versuch über Musik und Sprache, Hanser 2009.